Rituale rund um den Absinth

Der Absinth war zwar ein sehr bekanntes Getränk, doch er alleine war nicht verantwortlich für seinen großen Erfolg. Ein anderer wichtiger Teil, der hier eine Rolle spielte, waren die verschiedenen Rituale, die den Konsum des Absinths genauer beschrieben. Bei diesen Ritualen handelt es sich um Regeln, die genau definieren, wie man Schritt für Schritt den Absinth zu trinken hat. In den verschiedenen Ländern haben sich dann nach und nach eigene nationale Rituale entwickelt, die auch ein wenig zum Nationalstolz beigetragen haben.

Das französische Ritual

Das französische Absinthritual ist eines der populärsten und auch eines der ältesten Rituale. Es zählt heute noch zu den am weitest verbreiteten Trinkritualen und wird auch in vielen anderen Ländern vollzogen. Das Absinthglas wird hierbei mit 2cl oder 4cl Absinth gefüllt und dann wird der Absinthlöffel über das Glas gelegt. Im nächsten Schritt musste Wasser hinzugefügt werden. Dies geschah mittels einer Absinthfontaine, die langsam das Wasser darüber laufen ließ. Eine Absinthfontaine besteht aus einem Wasserbehältnis, dass auf einer Säule angebracht wurde und an dem mehrere kleine Wasserhähne befestigt waren. Es wurde dann so lange Wasser darüber laufen gelassen, bis sich der Zucker, meist ein oder zwei Würfel, aufgelöst hatten. Der Absinth bekommt dann eine Trübung, die man als Lourche bezeichnete.
Dieses Ritual spielte sich damals in Frankreich täglich mehrere tausendmal pro Tag ab und konnte sich von hier aus über die ganze Welt verbreiten. Auch heute noch gehen viele Absinthtrinker nach diesem Ritual vor.

Schweizerisches Ritual

Das schweizerische Ritual war damals nicht so weit verbreitet, weil es im Vergleich zu den anderen Ritualen relativ einfach ist. Es wird hier einfach nur der Absinth mit Wasser gemischt und dann getrunken. Man kann in diesem Zusammenhang eigentlich nicht von einem Ritual sprechen, aber in der Schweiz hat diese traditionelle Form des Konsums einen besonders hohen Stellenwert.

Tschechisches Ritual

Das tschechische Trinkritual ist eine Erfindung der neueren Absinthgeneration und konnte sich in den letzten Jahren weltweit verbreiten. Hierbei werden ein oder zwei Würfelzucker auf den Absinthlöffel gelegt und danach wird ein wenig hochprozentiger Absinth darüber geschüttet. Anschließend wird der Zucker angezündet. Dieser beginnt dann zu karamellisieren und in den Absinth im Glas zu tropfen. Wenn dann der Zucker komplett aufgelöst ist, wird das Glas mit beliebig viel Wasser aufgefüllt.

Böhmisches Ritual

In Böhmen wird der Absinth in einer kleinen Glaspfeife konsumiert. In den Wasserbehälter dieser Pfeife werden der Absinth und mehrere Eiswürfel gefüllt. Dann beginnt man an der einen Öffnung zu ziehen, worauf der Absinth dann mit viel Druck in den Mund gelangt. Die Wirkung, die er hier entfaltet, ist einfach unbeschreiblich und man sollte als Absinthtrinker dieses Erlebnis einmal mitgemacht haben.

Absinth mit der Brouille

Bei dieser Form des Rituals handelt es sich um eine sehr weit verbreitete Form des Absinthtrinkens, die auch heute noch sehr beliebt ist. Der Vorteil dieses Rituals ist die Einfachheit und das perfekte Ergebnis. Die Brouille ist ein kleiner Aufsatz für das Absinthglas, in das dann Eiswasser gefüllt wird. Von hier aus rinnt dann ein dünner Strahl dieses Wassers in den Absinth, der dann langsam die klassische Trübung erhält.

Absinth mit dem Brouilleur

Das Brouilleur ist ebenfalls ein Aufsatz für das Absinthglas, welches mit Zucker und Wasser gefüllt wird. Anschließend fließt das Wasser durch eine Öffnung langsam in eine Wippe. Von hier aus tropft dann das Wasser mit einem leisen Geräusch in den Absinth. Dieses Ritual ist sehr faszinierend und wurde damals exklusiv für die Absinthmarke Cusenier eingeführt.