Schweiz
Das Mutterland des Absinths hatte schon immer eine ganz besondere Beziehung zu diesem Getränk. Der eine Teil der Bevölkerung stand immer ganz fest zum Absinth und der andere Teil der Bevölkerung war für ein Verbot dieses Getränkes. Dies sind die beiden Positionen, die in dieser Sache eingenommen wurden und dazwischen gab es schon immer nur sehr wenig Spielraum. Genau so aufregend, wie die Debatten in diesem Land ist auch die Geschichte des Absinths. Er wurde hier in der Schweiz zum ersten Mal hergestellt und man kann hier auf eine über 250jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Auch wenn in den vergangenen hundert Jahren andere Länder und Städte im Mittelpunkt standen, so liegt der Ursprung des Absinths immer noch hier.
Die Schweizer haben auch heute noch ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Absinth. Das Brennen von Absinth wurde hier niemals wirklich aufgegeben und auch in den Zeiten des Verbots wurden hier mehrere zehntausend Liter pro Jahr erzeugt. Als dann im Jahr 2005 das Verbot aufgehoben wurde, konnte der gesamte Markt sehr schnell wieder mit Absinth versorgt werden. Der Konsum war nie vollständig eingebrochen und auch in den schwierigen Zeiten des Verbots noch sehr weit verbreitet. Aus diesem Grund kam es hier nicht zu einem Bruch der Absinthkultur und genau das merkt man heute auch noch. Die Menschen in der Schweiz kennen den Absinth sehr gut und auch bei den jungen Generationen ist er sehr beliebt. Seit 2005 entwickelt sich der Absinth wieder zum Szenegetränk, welches in Bars, Kneipen und Diskotheken immer häufiger bestellt wird. Wie sich dies dann in den nächsten Jahren entwickeln wird, kann man nicht vorhersagen, aber die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass der Absinth seinen alten Platz als Nationalgetränk im Laufe der Zeit wieder einnehmen wird.
Frankreich
Frankreich kann ohne Übertreibungen als die zweite Heimat des Absinths bezeichnet werden. Kurz nachdem das Rezept bekannt geworden war, wurde es von einem Unternehmer aufgekauft, der schon bald darauf eine Brennerei in Frankreich eröffnete. Als der Absinth dann an die Soldaten in Algerien ausgegeben wurde, konnte der Siegeszug des Absinths beginnen. Die Soldaten machen dieses Getränk im ganzen Land bekannt und nach nur kurzer Zeit konnte man den Absinth in jedem Straßencafé einnehmen. Es wurde in dieser Zeit zur Tradition, dass man abends zwischen 17.00 und 19.00 Uhr ein Gläschen Absinth zu sich nahm. Während dieser grünen Stunde etablierten sich verschiedeneTrinkrituale und ein Kult um den Absinth entstand. In diesem Land wurde der Absinth dann auch zum wichtigsten Getränk der Künstlerszene, die sich von ihm direkt und indirekt inspirieren ließen.
Die Franzosen haben auch heute noch viel für den Absinth übrig, weil er ein wichtiger Teil ihrer Kultur ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Absinth eine Ausdrucksform des französischen Freiheits- und Lebensgefühls und genau daran wollte die Grande Nation auch heute noch anknüpfen. Die Auswahl an den verschiedenen Absinthsorten ist heute enorm und auch die Qualität dieser Produkte ist auf dem höchsten Niveau. Der französische Absinth wird mittlerweile in die ganze Welt exportiert und vor allem im außereuropäischen Ausland kommt dieses Getränk besonders gut an. Der Absinth aus Frankreich ist mild, aber dennoch aromatisch. Diese beiden Eigenschaften machten den französischen Absinth weltberühmt.
Österreich
Österreich ist ebenfalls ein sehr interessantes Absinthland, obwohl es meist in der zweiten Reihe stand. In der Bevölkerung zählt der Absinth nicht zu den beliebtesten Getränken, der Markt wird hier hauptsächlich von Obstlern und Bier dominiert. Doch mittlerweile konnte sich auch in Österreich eine kleine Absinthszene etablieren, die den Kult um dieses Getränk für sich entdeckt hat. In vielen Straßencafés und Szenekneipen trifft man mittlerweile auf den Absinth, der immer häufiger auch aus der eigenen Produktion stammt. Dominiert wird dieser Markt eher von kleinen Familienbetrieben statt von großen Konzernen. Aus diesem Grund sind die Absinthprodukte aus Österreich sehr individuell und sehr aromatisch. Bekannt ist in diesem Zusammenhang die Familie Fischer, die schon seit 1875 verschiedene Schnäpse und Liköre herstellt und bei der die Qualität stets im Vordergrund steht.
Deutschland
Schon vor dem Verbot spielte Deutschland eine wichtige Rolle im Umfeld des Absinths. Die Produktion war zwar nicht überragend, doch wurden auch in diesem Land sehr gute Produkte erzeugt. Nachdem der Absinth vollständig wieder freigegeben wurde, kam es dann auch zu einem erneuten Aufschwung. Heute gibt es wieder sehr viele Absinthproduzenten in diesem Land, von denen auch noch viele ihr klassisches Familienrezept nutzen. Das Besondere an den deutschen Produkten ist der oftmals geringere Anteil an Anis und der etwas mildere Geschmack.
Auch in diesem europäischen Land beginnt der Absinth wieder die Kneipen und Cafés zu erobern. Immer mehr junge Menschen beginnen sich für den alten Kult und die verschiedenen Rituale zu interessieren. In den Großstädten dieses Landes haben sich schon verschiedene kleinere Szenen etablieren können, die meistens aus Menschen, die in kreativen Berufen arbeiten, bestehen und die damit an die alte Künstlertradition anknüpfen wollen. Es ist abzusehen, dass der Absinth in Deutschland und hier vor allem in den Großstädten in den nächsten Jahren noch an Verbreitung zunimmt.
Italien
Italien zählt zu den Ländern, in denen der Absinth heute eher weniger verbreitet ist, weil man hier hauptsächlich Vermounthweine, die ebenfalls aus Wermut hergestellt werden, konsumiert. So konnte sich bisher keine allzu große Szene entwickeln, auch wenn es bereits einige Abnehmer und auch Hersteller in diesem Land gibt. Vor allem im Norden des Landes, nahe der schweizerischen Grenze kann man den Absinth antreffen.
Tschechien
Heute zählt Tschechien zu einem der wichtigsten Länder, wenn es um den Absinth geht. Das Verbot trat hier im Jahr 1930 in Kraft und wurde erst 1998 wieder aufgehoben. Während dieser Zeit wurde trotzdem immer wieder schwarz gebrannt, so dass sich die Absinthkultur über diese lange Verbotszeit retten konnte. Schon bald nach der Wiedereinführung des Absinths konnte so die Produktion nach den alten Rezepten sehr schnell wieder aufgenommen werden und kurz darauf kamen dann auch schon die ersten hochwertigen Produkte auf den Markt. In Tschechien hat man dieses Thema sehr ernst genommen und konnte sich mit einer guten Strategie zu einer der wichtigsten Absinthnationen der letzten Jahre entwickeln. Man versuchte nach der Aufhebung des Verbots an die alte Tradition anzuknüpfen und entwickelte aber gleichzeitig auch neue Rituale. Damit wollte man den Absinth in die Moderne führen und jüngere Konsumenten dafür gewinnen. Diese Rechnung ging auf. Vor allem bei jungen Erwachsenen hat der tschechische Absinth einen sehr hohen Stellenwert. In Prag ist der Absinth mittlerweile zu einem Kultgetränk geworden und viele Diskotheken sowie Kneipen profitieren von dieser Entwicklung. Mittlerweile zählt Tschechien auch zu den Hauptexporteuren für Absinth.
Es gibt hier viele verschiedene sehr hochwertige Produkte, aber auch sehr viele schlechte Produkte, die man eher mit Vorsicht genießen sollte. Aus diesem Grund sollte man bei diesen Absinths auf einen bekannten Namen vertrauen oder bei einem Händler seines Vertrauens bestellen.
Die iberische Halbinsel
Auch in Spanien und Portugal ist der Absinth seit jeher bekannt und in Spanien gab es nie ein Verbot, weshalb sich hier eine kontinuierliche Absinthkultur entwickeln konnte. Der spanische Absinth ist etwas stärker vom Geschmack und beinhaltet im Allgemeinen mehr Anis, als andere Sorten. Viele Flüchtlinge aus Frankreich haben dann auch hier ihre Kultur weitergeführt. Gerade in Barcelona konnten sich der Absinth sehr gut entwickeln und immer mehr Freunde hinzugewinnen. Noch heute befindet sich hier eine Hochburg des Absinthkonsums. In Portugal kam es ebenfalls nie zu einem Verbot, weil der Absinth hier nie einen großen Stellenwert in der Gesellschaft erreichen konnte. Erst jetzt mit den vielen Touristen aus Mitteleuropa beginnt der Absinthabsatz merklich zu steigen. Dennoch gibt es hier sehr feine Absinthsorten, die hier in traditioneller portugiesischer Art auf dem Land hergestellt werden.