Nicht nur auf dem Alten Kontinent begeisterte der Absinth die verschiedenen Gesellschaften, sondern auch in der Neuen Welt wurde dieses Getränk sehr beliebt. Die Rohstoffe, also der Wermut und Anis, sind auch in den Vereinigten Staaten anzutreffen und aus diesem Grund konnte sich hier dann eine Absinthszene etablieren, die wirklich gute Produkte hervorbrachte. Den Absinth ereilte in Amerika jedoch dasselbe Schicksal, wie in Europa und er wurde für viele Jahrzehnte verboten. Der Absinth hat auch in den USA einen hervorragenden Ruf, weil auch hier sehr viel von dem klassischen Mythos bekannt ist und man hier viel Wert auf den besonderen und aromatischen Geschmack legt.
Als der Absinth sich in Europa auf dem Höhepunkt befand und in den Straßencafés der Großstädte immer beliebter wurde, wurden auch die Menschen in Amerika auf dieses Getränk aufmerksam und natürlich konnte sich der Absinth auch hier sehr schnell ausbreiten. Die wichtigste Stadt in diesem Zusammenhang ist New Orleans. Diese Stadt wurde sehr schnell als das kleine Paris bekannt und auf dem Höhepunkt im Jahr 1906 gab es hier über 2000 Lokale und Bars. Die wichtigste Einrichtung in diesem Zusammenhang war das Old Absinthe House in der Bourbon Street, dass schon seit 1826 Absinth ausschenkte und somit einen legendären Ruf genoss. Auch hier wurde der Konsum des Absinths bald übertrieben und immer mehr Menschen gerieten in die Abhängigkeit. In den USA begannen sich dann wie in Europa die Gegner des Absinths zu formieren und schon im Jahr 1912 wurde dann der Absinth von staatlicher Seite aus verboten. Dieser Schritt war der Auftakt zur umfassenden Prohibition, welche dann im Jahr 1919 eingeführt wurde. Ab dem 16. Januar 1920 wurden die Herstellung, der Verkauf und der Transport aller alkoholischen Getränke vollständig verboten. Der Absinth gehörte zu den Vorboten dieser Entwicklung und viele weitere Staaten hatten die Prohibition schon vor dem Ersten Weltkrieg eingeführt. Die treibenden Kräfte in diesem System waren die 1869 gegründete Prohibitionspartei und diverse christliche Verbände. Während des ersten Weltkriegs stieg dann der Alkoholkonsum stark an und es wurde ein temporäres Alkoholverbot erlassen. Im Jahr 1933 wurde die Prohibition dann wieder zurückgenommen und die ersten Staaten begannen wieder damit alkoholische Getränke zu erlauben. In einigen konservativen Staaten war es jedoch bis in die 1960er Jahre hinein der Konsum von Alkohol verboten. Dies betraf jedoch nicht die Freigabe des Absinths, denn dieser bliebt noch bis zum Jahr 2007 verboten.
Der Absinth in den USA heute
Im Jahr 2007 wurde dann auch der Absinth in den USA wieder zum Verkauf freigegeben. Und schon kurz darauf begannen die ersten Importeure den Absinth aus Frankreich, der früher hier so beliebt gewesen war, in das Land zu holen. Viele Menschen stellen sich die Frage, warum der Absinth denn gerade jetzt wieder zum Verkauf freigegeben wurde? Die Antwort ist einfach. Es wurden Absinthsorten zum Verbrauch freigegeben, die fast kein Thujon enthalten und damit auch weniger gesundheitsschädlich sind.
Die verschiedenen Rituale, die damals in Europa begründet wurden, sind auch heute noch in den USA bekannt. In diesem Zusammenhang orientierte man sich in den USA an den französischen Ritualen, die hier sehr populär waren und daher auch fast allerorts angewendet wurden. Bei diesem Ritual füllt man ein Glas mit Absinth und legt einen Absinthlöffel über die Öffnung, auf dem dann zwei Stück Zucker positioniert wurden. Dann wurde kaltes Wasser darüber getropft, bis die Zuckerwürfel vollständig aufgelöst waren. So konnte der meist bittere und starke Absinth dann auch gut genossen werden.
Der Absinth ist in den USA heute sehr beliebt und natürlich wird er hier auch sehr gut verkauft. Der Mythos konnte sich gerade in diesem Land sehr gut entwickeln, weil der Absinth hier so lange verboten war und man sich danach sehnte endlich die „verbotenen Früchte“ wieder genießen zu können. Zurzeit wird der Großteil des Verbrauchs mit Erzeugnissen aus Europa gedeckt, aber es ist anzunehmen, dass die Brennereien in den USA sich auf diesen neuen Trend einstellen werden. Es gibt schon die ersten Produkte, die in den USA hergestellt werden. Früher gab es hier schon eine florierende Absinthwirtschaft, weil die verschiedenen Rohstoffe, zum Beispiel Wermut, in großen Mengen verfügbar sind. Vor der Prohibition war die USA einer der größten Exporteure in diesem Marktsegment. Dass sie diese Stellung jedoch zurückerobern werden, ist derzeit nicht denkbar, weil die gesetzlichen Bestimmungen noch zu restriktiv sind. In den USA können nur Produkte hergestellt werden, die fast kein Thujon enthalten und diese dürften im Ausland schwer abzusetzen sein. Auch in den USA sind derzeit heftige Diskussionen entbrannt, die sich um den Thujongehalt drehen. Auf der einen Seite gibt es die Fraktion, die die Begrenzung des Thujons verteidigt und auf der anderen Seite gibt es die Anhänger des klassischen Absinths, die behaupten, dass „absinth without thujone is like Playboy without the photos“. Es beginnen sich also wieder alte Fronten zu formieren und diese Debatte wird die US-Absinthszene noch viele Jahre beschäftigen. Trotz dieser Umstände ist ein weiterer Anstieg der Beliebtheit des Absinths wahrscheinlich und die Kenner der klassischen Sorten werden ihren Bedarf zu stillen wissen.
Kultur und Absinth in den USA
Die ersten Kultureinrichtungen in den USA sind schon am diskutieren, welchen Einfluss der Absinth auf die Kunstszene haben wird. Man erhofft sich eine ähnliche schöpferische Stimmung, wie in den alten Zeiten und verspricht sich ein Boom der Künste. Ob dies so der Fall sein wird, ist erst einmal nicht absehbar, weil man so etwas Dynamisches und Eigenwilliges wie die Kunst nicht vorausberechnen kann. Dies wird erst die Zeit zeigen.
In den amerikanischen Szenekneipen kann man jedoch Jahr für Jahr einen Anstieg des Absinthkonsums feststellen. In New York zählt der Absinth heute wieder zu den Trends und entlang der gesamten Ostküste bekommen Wodka, Gin und Téquilla langsam eine starke Konkurrenz, die noch lange weitere Marktanteile gewinnen wird. Der Absinth konnte sich innerhalb kürzester Zeit wieder in der amerikanischen Gesellschaft etablieren und wird wohl wieder ein wichtiger Teil der Kulturszene werden. Welche Auswirkungen das haben wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Das wird erst die Zukunft zeigen.