Kein anderer Bereich der Gesellschaft wurde so stark vom Absinth beeinflusst wie die Kunst. Sehr viele Künstler haben sich während des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von diesem Getränk inspirieren und leiten lassen. Diese Entwicklung hat wohl auch sehr viel zum Mythos des Absinths beigetragen und war auch für dessen weite Verbreitung mitverantwortlich. Fast alle Künstlerszenen in Europa haben sich diesem Kult angeschlossen. Es stellt sich natürlich schnell die Frage, warum die ganzen Künstler gerade den Absinth so favorisierten. Die Antwort ist einfach und banal. Sie tranken Absinth, weil dieser sehr günstig war. Ein anderer Grund, der diese Szene vom Absinth begeisterte, war die anregende, euphorisierende und auch schöpferische Stimmung, die vom Absinth ausgehen konnte. Gerade diese Eigenschaften des Absinths zusammen mit dem Kult haben Kräfte freigesetzt, die uns ein paar der beeindruckendsten Kunstwerke der neueren Zeit schenkten.
Vor allem die französische Kunstszene hat sich vom Absinth sehr stark beeinflussen lassen. Das Leid, welches von den verwahrlosten und vereinsamten Absinthtrinkern in den Bars ausging stand häufig im Mittelpunkt dieser Kunst. Ein weiteres Thema waren auch die sozialen Folgen, die vom Absinth ausgingen und die auch das Bild der damaligen Öffentlichkeit und das Bewusstsein prägten. Ein ganz zentrales Werk ist das Gemälde „Der Absinthtrinker“ von Édouardo Mantes, der genau auf diese Situation anspielte und einen verwahrlosten Trinker zeichnete. Damals wurde dieses Bild stark kritisiert und zudem vom Großteil der Gesellschaft abgelehnt. Aber auch die Poeten ließen sich beeinflussen, wie zum Beispiel Charles Baudelaire, der selbst dem Absinth verfallen war. Zu den sehr bekannten Künstlern in diesem Umfeld gehörte Vincent van Gogh, der ebenfalls gerne das eine oder andere Gläschen trank. Auch in seinen Bildern war der Absinth oft das bestimmende Thema, wie zum Beispiel im Gemälde „Stillleben mit Absinth“, welches zu den Meisterwerken dieser Epoche zählt. Paul Gauguin und Pablo Picasso waren ebenfalls mitten in dieser Szene und Picasso schuf im Jahr 1911 das kubistische Werk „Das Glas Absinth“. In vielen Ländern zeigte sich diese künstlerische Richtung von Spanien über Frankreich bis nach Irland. In der Literatur hatte der Absinth einen großen Einfluss. Hier wurden aber hauptsächlich die sozialen Probleme und die gesundheitlichen Folgen verarbeitet. Bekannte Vertreter dieser Richtung waren Oscar Wilde und Charles Baudelaire sowie Ernest Hemingway.
Auch heute lassen sich wieder vermehrt Künstler vom Absinth inspirieren. Ein sehr prominentes Beispiel ist Marilyn Manson. Aber nach dem Verbot beginnen nun auch andere Künstlerszenen in Europa und den USA sich langsam wieder mit diesem Getränk zu beschäftigen. Welche Auswirkungen auf deren Schöpfungen das haben wird, kann man derzeit noch nicht sagen. Aber es ist davon auszugehen, dass es schon bald wieder die ersten Werke mit diesem Thema geben dürfte.